Die Leine, die nicht mehr hält
- Gianna Reccavallo
- 10. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Über Konditionierung, innere Freiheit und den Mut zur Selbstbefreiung
Es gibt ein Bild, das mich immer wieder berührt: Ein Elefant, angebunden an einen kleinen Pflock. Er könnte jederzeit gehen. Doch er bleibt. Nicht, weil die Leine ihn hält – sondern weil er glaubt, dass sie es tut.

Dieses Bild ist eine Metapher für uns Menschen. Für die Muster, die wir früh gelernt haben. Für die inneren Stimmen, die sagen: „Das geht nicht“, „Das darfst du nicht“, „Das bist du nicht“. Für die Konditionierungen, die uns einst vielleicht geschützt haben – und uns heute begrenzen.
Wir leben in einer Zeit, in der äussere Freiheit möglich ist. Und doch tragen viele von uns unsichtbare Fesseln. Alte Glaubenssätze, emotionale Prägungen, epigenetische Speicherungen. Wir wiederholen Verhaltensweisen, die nicht mehr zu uns passen. Wir bleiben in Räumen, die längst zu eng geworden sind.
Was hält dich – wenn nichts mehr hält?
Diese Leinen sind nicht aus Stahl. Sie bestehen aus Gedanken, aus Erinnerungen, aus inneren Bildern. Und sie lassen sich lösen – sanft, achtsam, liebevoll.
In meiner Arbeit mit Hypnose, Epigenetik und emotionaler Prozessbegleitung erlebe ich immer wieder: Wenn wir beginnen, unsere Konditionierungen zu erkennen, wenn wir das innere Kind würdigen und die gespeicherten Emotionen bewegen, dann entsteht Raum. Raum für neue Entscheidungen. Raum für Selbstverbindung. Raum für Freiheit.
Der Elefant in uns darf lernen, dass der Pflock nicht mehr hält. Dass wir gehen dürfen. Dass wir wählen dürfen. Dass wir uns selbst neu schreiben dürfen – jenseits der alten Geschichten.
Vielleicht ist genau jetzt der Moment, die Leine zu betrachten. Nicht mit Schuld oder Scham, sondern mit Akzeptanz und Mitgefühl. Denn der Weg in die Freiheit beginnt mit einem Blick. Und mit dem ersten Schritt.




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